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Wie wir arbeiten

Die Mitglieder von ces e.V. arbeiten vornehmlich mit der dokumentarischen Methode. Deren theoretische und methodologische Grundlagen gehen auf Arbeiten des Wissenssoziologen Karl Mannheim vor allem aus den 1920er Jahren zurück und wurden von Harold Garfinkel, dem Begründer der Ethnomethodologie, in den 1950er und 1960er Jahren in einer spezifischen Richtung ausgearbeitet. Als eine empirische Methode, d.h. ein Forschungsverfahren zur qualitativen resp. rekonstruktiven Analyse, wurde die dokumentarische Methode seit den 1980er Jahren von Ralf Bohnsack zunächst an der Universität Bielefeld und der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen, später dann an der Freien Universität Berlin am Arbeitsbereich "Qualitative Bildungsforschung" ausgearbeitet. An der Weiterentwicklung des Ansatzes sind verschiedene Mitglieder des ces e.V. beteiligt.

Während die Wissenssoziologie in der Tradition der Sozialphänomenologie von Alfred Schütz und Berger/Luckmann weitgehend auf der Ebene des theoretischen und expliziten Wissens, also des Common Sense, verbleibt, bezieht die dokumentarische Methode diese Ebene zwar mit ein, geht aber darüber hinaus und vermag implizite Wissensbestände und die darin eingelagerten handlungsleitenden Orientierungen zu erschließen. Mit diesem Zugang zum modus operandi der Handlungspraxis weist die dokumentarische Methode deutliche Übereinstimmungen bzw. Anschlüsse zur Habitustheorie von Bourdieu auf, ohne deren klassentheoretische Vorannahmen zu übernehmen. Die Bezüge der handlungsleitenden Orientierungen zur sozialen Lagerung der Erforschten werden demgegenüber in der empirischen Analyse generiert, in deren Zentrum der Milieubegriff steht Integriert werden auch grundlagentheoretische Konzepte der Systemtheorie von Luhmann. Zur Diskurstheorie von Foucault werden neuerdings ebenfalls Bezüge hergestellt.

Inzwischen hat der rekonstruktive Forschungsansatz der dokumentarischen Methode in den Sozial- und Erziehungswissenschaften bis hin zur Theologie, Informatik und Medizin eine breite Rezeption und ein vielfältiges Anwendungsgebiet gefunden. Schwerpunkte finden sich in der Kindheits-, Jugend- und Genderforschung, der Sozialen Arbeit, der Erwachsenenbildung und der Medizinsoziologie bis hin zur Polizei- und Organisationskulturforschung sowie der Mediennutzungsanalyse. Das methodische Spektrum umfasst die Gesprächsanalyse und das Gruppendiskussionsverfahren, die Bild, Video- und Filmanalyse, die Auswertung von Interviews, die teilnehmende Beobachtung und die Evaluationsforschung.